Der große Brillenreport So sieht Deutschland und die Welt

Der Anteil der Brillen- und Kontaktlinsenträger in der deutschen Bevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen: Immer mehr Deutsche sind auf eine Sehhilfe angewiesen - mehr als zwei Drittel der Erwachsenen müssen mittlerweile zur Brille greifen. Noch alarmierender: Der Anteil junger Menschen mit Sehschwäche ist in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen.

Denken wir an den technologischen Wandel der vergangenen Jahrzehnte, scheint die Ursache auf der Hand zu liegen. Doch welche Rolle spielt die Digitalisierung wirklich? Sind Smartphones, Laptops und die immer verbreitetere Bildschirmarbeit der Auslöser für diese beunruhigende Entwicklung? In unserem vielseitigen Report gehen wir der Ursache für dieses Phänomen auf den Grund.

So sieht Deutschland und die Welt

Die Kernergebnisse

Viele Fragen brauchen viele Antworten – diese lassen in unserem Report zum Glück nicht lange auf sich warten. Einen Vorgeschmack liefern die zentralen Fakten:

Die Kernergebnisse
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Brille, aber wieso?
Diese Sehfehler sind besonders verbreitet

Als rein modisches Accessoire mit Fensterglas hat die Brille im vergangenen Jahrzehnt zwar zunehmend an Popularität gewonnen. In den allermeisten Fällen liegt jedoch eine Fehlsichtigkeit vor. Zu den häufigsten Sehfehlern in Deutschland zählen die Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit.

Normalsichtigkeit (Emmetropie)

Normalsichtigkeit (Emmetropie)

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtigkeit (Myopie)
Der Augapfel ist „zu lang“, weshalb die Lichtstrahlen bereits vor der Netzhaut gebündelt werden. Für Motive bzw. Objekte in der Ferne entsteht dadurch eine unscharfe Abbildung.

ca. 25 % der Bevölkerung betroffen
Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Der Augapfel ist „zu kurz“, wodurch die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut aufeinandertreffen würden. Ein scharfes Sehen in der Nähe ist nicht mehr möglich.

ca. 35 % der unter 60-Jährigen betroffen
Hornhautverkrümmung

Hornhautverkrümmung
bzw. Stabsichtigkeit (Astigmatismus) Eine ungleichmäßige Wölbung der Hornhaut führt dazu, dass auftreffende Lichtstrahlen unterschiedlich stark gebrochen werden. Dadurch entsteht unabhängig von der Distanz ein unscharfes Bild auf der Netzhaut.

ca. 20 % aller Myopen und Hyperopen betroffen
Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Da die Elastizität der Augenlinse im Laufe des Lebens immer mehr abnimmt, reicht die Linsenwölbung mit voranschreitendem Alter nicht mehr zur Scharfstellung auf die Nähe aus.

Im hohen Alter ca. 95 % der Bevölkerung betroffen
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Laut den Schätzungen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. ist jeder vierte Deutsche von Kurzsichtigkeit betroffen. Trotz steigender Tendenz ist die Weitsichtigkeit aktuell noch stärker verbreitet: 35 Prozent der unter 60-Jährigen sind betroffen. Diese Abgrenzung ist wichtig, da in höherem Alter 95% der Menschen unter Weitsichtigkeit leidet. Dabei handelt es sich jedoch um einen natürlichen Alterungsprozess und kein Krankheitsbild. Die Rede ist dann von Alterssichtigkeit. Die Hornhautverkrümmung ist in den meistens Fällen angeboren und tritt häufig zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf – genau genommen bei 20 Prozentaller Kurz- und Weitsichtigen.

Sehen in digitalen Welten: Einflüsse von Laptop, Smartphone & Co.

Der digitale Wandel ist nicht zu stoppen und bringt Jahr für Jahr tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Die technologischen Entwicklungen verändern, wie wir uns informieren, kommunizieren und konsumieren – Dreh- und Angelpunkt ist das Internet. Laptops, Tablets und insbesondere Smartphones sind ein ständiger Wegbegleiter und somit fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Doch wie hängt diese digitale Revolution mit unserem Sehvermögen und der damit einhergehenden Zunahme an Brillenträgern zusammen?

Laut den Ergebnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie benutzen in Deutschland 2021 bereits 76 Prozent der Personen ab 14 Jahren täglich das Internet. Das sind ganze acht Prozentpunkte mehr als nur drei Jahre zuvor. Das Ausmaß der Digitalisierung jedoch erst augenscheinlich, wenn man die Ergebnisse für die jüngeren Generationen unter die Lupe nimmt: 99 Prozent der 14- bis 29-Jährigen greifen alltäglich auf das Internet zu, die Nutzungsdauer pro Tag beträgt dabei durchschnittlich 419 Minuten.

Sehen in digitalen Welten: Einflüsse von Laptop, Smartphone & Co.

Digitale Maulwürfe? Immer mehr junge Menschen greifen zur Brille

Die in regelmäßigen Abständen durchgeführte „Brillenstudie“ des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt die Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts besonders transparent: der überdurchschnittliche Zuwachs an Brillenträgern in den jüngeren Altersgruppen, sprich den Digital Natives.

Digitale Maulwürfe? Immer mehr junge Menschen greifen zur Brille
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Die aktuellen Studienergebnisse (2019/2020) bestätigen nochmals das Muster der vergangenen Erhebungswellen: Mit 10 Prozent ist der höchste Zuwachs an Brillenträgern seit 2008 in der jungen Altersgruppe zu verzeichnen. Im Vergleich: Unter den 45- bis 59-Jährigen lag der Anteil 2008 bei 73 Prozent und 2019 bei 74 Prozent – im gleichen Zeitraum sind die Werte also nahezu unverändert geblieben.

Unsere Augen als Leidtragende in einer Welt voller Displays

Für die hier beschriebene Entwicklung trägt der digitale Wandel eine zentrale Verantwortung. Denn: Ein großer Risikofaktor für Kurzsichtigkeit ist die sogenannte Naharbeit – also jegliche Tätigkeiten, bei welchen das Auge in die Nähe fokussieren muss. So eben auch, wenn wir unsere geliebten PCs, Tablets und Smartphones nutzen. Das Kuratorium Gutes Sehen e.V. betont in diesem Zusammenhang die Auffassung der Wissenschaft, dass die hohe Bildschirmzeit eine enorme Belastung für die Augen darstellt.

Zweifelsfrei ist die genetische Veranlagung nach wie vor der mit Abstand dominierende Faktor für Kurzsichtigkeit. Das permanente Starren auf den Monitor im jungen Alter, gekoppelt mit einem Mangel an Tageslicht, kann jedoch noch bis zum 30. Lebensjahr den Augapfel „in die Länge ziehen“. Dieses Wachstum ist ausschlaggebend für das Voranschreiten der Fehlsichtigkeit.

Seltener draußen, häufiger am Bildschirm: sieben spannende Fakten

Zum Einfluss von ständigem „Nahsehen“ und Tageslichtmangel auf die Ausbildung von Kurzsichtigkeit gibt es zahlreiche interessante wissenschaftliche Erkenntnisse.

Seltener draußen, häufiger am Bildschirm: sieben spannende Fakten
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Ausbildung von Kurzsichtigkeit – das Risiko in Zahlen:

2 Prozent höheres Risiko für jede Dioptrienstunde2 mehr pro Woche
33 Prozent höheres Risiko für Kinder, die weniger als eine Stunde am Tag draußen verbringen
30 Prozent höheres Risiko bei übermäßiger Nutzung von Smart Devices (Smartphones und Tablets)
-1 Dioptrie kurzsichtiger ist ein britischer Hochschulabsolvent im Schnitt nach 17 vs. 12 Jahren Schulbildung

2 Dauer der Naharbeit x Abstand in Dioptrien (Der Kehrwert der Dioptrienangabe gibt die Entfernung in Metern an).

Der Kurzsichtigkeits-Cocktail – das sind die Risikofaktoren

Der Kurzsichtigkeits-Cocktail – das sind die Risikofaktoren
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Fast jeder zweite Europäer in seinen Zwanzigern ist kurzsichtig

Dass der gewachsene Anteil an Brillenträgern in den jüngeren Generationen auf einer Zunahme der Kurzsichtigkeit beruht, bekräftigen auch die Ergebnisse einer Studie des European Eye Epidemiology Consortium.

Fast jeder zweite Europäer in seinen Zwanzigern ist kurzsichtig
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Fast jeder zweite 25- bis 29-jährige Europäer ist von Kurzsichtigkeit betroffen. Ältere Generationen hingegen leiden deutlich seltener an Kurzsichtigkeit: Bei den 45- bis 49-Jährigen liegt der Anteil nur noch bei 37 Prozent, von den 70- bis 74-Jährigen ist mit 13,9 Prozent nicht einmal jeder Fünfte von Kurzsichtigkeit betroffen. Auch für die Forscher dieser Studie sind die heutzutage intensivierte Bildschirmarbeit und eine längere Ausbildungsdauer definitiv ausschlaggebend für dieses Muster.

Die globale Epidemie: 50 Prozent der Weltbevölkerung sind 2050 kurzsichtig

Wirft man einen Blick über den europäischen Tellerrand, wird ersichtlich, dass der Myopie-Anstieg zweifelsfrei ein globales Phänomen ist. Das Brien Holden Vision Institute prognostiziert in einer umfangreichen Analyse, dass bis 2050 knapp unter fünf Milliarden Menschen und somit 50 Prozent der Weltbevölkerung von Kurzsichtigkeit betroffen sein werden. Fachleute sprechen vermehrt von einer globalen Epidemie, in der Presse ist gern von der „Generation Kurzsichtig“ oder der neuen „Volkskrankheit“ die Rede.

Dennoch gilt, dass bezüglich einer Kurzsichtigkeit stets Gen-Umwelt-Interaktionen bestehen: „Der Einfluss von Lesegewohnheiten, Bildung und Naharbeit ist je nach genetischer Prädisposition unterschiedlich groß“, so die Autoren der deutschen KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts. Entsprechend gibt es nach wie vor viele Studien, die keinen signifikanten Einfluss des digitalisierten Lebensstils auf die Entstehung von Myopie feststellen.

Glück im Unglück – den Risikofaktoren sind wir nicht machtlos ausgesetzt. Folgende Verhaltensweisen steuern einer Verschlechterung der Sehkraft entgegen:

  • Regelmäßige Blickwechsel in die Ferne
  • ausreichende (Nah-)Arbeitspausen
  • Aufenthalt im Freien

In Brille we trust – Diese Sehhilfen nutzt Deutschland

Wenn Menschen immer häufiger eine Sehschwäche entwickeln, sind auch mehr Hilfsmittel notwendig, um diese zu korrigieren. In diesem Zusammenhang interessieren uns folgende Fragen:

  • Wie viele Menschen nutzen eine Brille?
  • Wie hat sich der Anteil der Brillenträger in den letzten Jahrzehnten entwickelt?
  • Wie groß ist der Anteil der Kontaktlinsenträger?
  • Wächst die Bereitschaft für Augenlaser-OPs?

Zunächst werfen wir einen Blick auf die beliebtesten Sehhilfen in Deutschland 2021. Die VuMA Touchpoints 2022 kam basierend auf über 23.000 Interviews mit Deutschen über 14 Jahren zu folgenden Ergebnissen:

  • Besitz einer normalen Brille à 41,3 Prozent
  • Besitz einer Lesebrille à 26,8 Prozent
  • Besitz einer Sonnenbrille à 16,2 Prozent
  • Besitz von Kontaktlinsen à 4,7 Prozent
  • Besitz sonstiger Brillen (bspw. Sport- oder Bildschirmbrille) à 3,4 Prozent

Mehr als zwei Drittel der deutschen Erwachsenen tragen Brille

Veränderung des Anteils an Brillenträgern in der Gesamtbevölkerung (ab 16 Jahre) 1952-2019

Mehr als zwei Drittel der deutschen Erwachsenen tragen Brille

Quelle: Brillenstudie IFD-Allensbach (2019)

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41,1 Millionen deutsche Erwachsene ab 16 und damit ganze 67 Prozent der Gesamtbevölkerung tragen laut der aktuellen Brillenstudie vom IFD-Allensbach eine Brille. Darunter 38 Prozent (23,4 Millionen Deutsche) dauerhaft und weitere 29 Prozent (17,7 Millionen Deutsche) gelegentlich. Der Anteil der Brillenträger ist zwischen 1950 und 2000 stark gewachsen, bevor er sich in den 2000er-Jahren zunächst stabilisiert hat. Mit ziemlich genau einer Million mehr Brillenträgern als 2014 und somit einem Anstieg von ca. vier Prozentpunkten ist 2019 jedoch wieder ein deutlicher Sprung nach oben zu verzeichnen.

Deutschland im Europavergleich:

Ranking der Top 10 Länder mit höchstem Anteil an Brillenträgern in 2020:

Ranking der Top 10 Länder mit höchstem Anteil an Brillenträgern  in 2020

Quelle: Statista Consumer Market Outlook (Okt. 2021)

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Mit einem Anteil von 70 Prozent der Gesamtbevölkerung ist Belgiendie Brillenträger-Nation Nummer eins. Das Schlusslicht im europäischen Vergleich bilden Estland und die Türkei. In beiden Ländern trägt nur jede fünfte Person eine Brille. Mit Platz sieben befindet sich Deutschland im gesamteuropäischen Vergleich in den oberen 15 Prozent der größten Brillenträger-Nationen.

Augen-OP statt Brille – eine immer beliebtere Alternative?

Die Anzahl der LASIK-Operationen, die am häufigsten durchgeführte Augenlaser-Methode zur Korrektur von Fehlsichtigkeit, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wurden 2005 noch 80.000 OPs durchgeführt, belief sich der Wert für 2020 auf schätzungsweise 160.000 Behandlungen – eine Verdopplung innerhalb von 15 Jahren. Bis auf wenige Ausreißer in 2006, 2008 und 2013 ist für die Zwischenjahre ein kontinuierlicher Anstieg zu erkennen.

Ein Blick auf Google Trends für den Suchbegriff „Augen lasern“ zeigt das zunehmende Interesse am Thema und bekräftigt den Trend zu mehr Augenlaser-OPs:

Das Google Suchinteresse für “augen lasern” im zeitlichen Verlauf

Das Google Suchinteresse für “augen lasern” im zeitlichen Verlauf

*Der Wert 100 steht für die höchste Beliebtheit dieses Suchbegriffs.

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Die stetig wachsende Beliebtheit der Laser-OPs hat mehrere Gründe:

  1. Eingriffe sind heutzutage nur noch mit sehr geringen gesundheitlichen Risiken verbunden (Komplikationsrate von unter einem Prozent)
  2. Schneller Heilungsprozess mit neuen Verfahren (wenige Tage)
  3. Moderne Methoden können stärkere Fehlsichtigkeiten korrigieren
  4. Sinkende Kosten

Der weltweite Brillenmarkt boomt! Ein Blick in die Branche

Im Hinblick auf den zunehmenden Bedarf an Sehhilfen liegt es nahe, dass die globale Augenoptik-Branche und insbesondere der Markt für Brillen von der hohen Nachfrage profitiert. Und tatsächlich bestätigt die globale Umsatzentwicklung der Branche diese Annahme. Abseits des kurzfristigen, coronabedingten Einbruchs ist die Marktentwicklung der letzten zehn Jahre von

Der Gesamtumsatz für das Jahr 2021 betrug ca. 101 Milliarden Euro. Damit liegen die globalen Umsätze aus Brillengläsern, -fassungen, Kontaktlinsen und Sonnenbrillen noch deutlich unter den Zahlen von 2019, also vor Pandemiebeginn. Laut Prognosen befindet sich der Markt jedoch bereits in der Erholung – zwischen 2022 und 2025 ist von einem jährlichen Umsatzwachstum von 5,15 Prozent auszugehen. Somit wird das Vor-Corona-Niveau bereits 2023 geknackt. Für 2025 ergibt sich ein Umsatz von etwa 128 Milliarden Euro, knapp 12 Milliarden mehr als noch 2019

Augenoptik – globale Umsatzentwicklung inkl. -prognose bis 2025 (in Millionen Euro):

Augenoptik – globale Umsatzentwicklung inkl. -prognose bis 2025 (in Millionen Euro)

Quelle: Statista Consumer Market Outlook (Okt. 2021)

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Wie sieht der Brillenmarkt in Deutschland aus?

Von besonderem Interesse ist natürlich, ob die Entwicklungen auf dem deutschen Markt in Einklang mit dem globalen Wachstum stehen. Wie wirkt sich der wachsende Anteil deutscher Brillenträger auf den Umsatz der deutschen Optiker aus?

Umsatz mit Brillen in Deutschland (in Mio. Euro):

Umsatz mit Brillen in Deutschland (in Mio. Euro)

Quelle: Statista Consumer Market Outlook (Okt. 2021)

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Auch in Deutschland ist der Brillenmarkt durch konstantes Wachstum gekennzeichnet. 2021 belief sich der Umsatz auf etwa 5,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zur globalen Entwicklung fällt das Wachstum jedoch insgesamt geringer aus: Für den Brillenumsatz – online wie stationär – werden in Deutschland von 2022 bis 2025 jährliche Wachstumsraten von rund 2,5 Prozent prognostiziert, weltweit dagegen rund 4,8 Prozent.

Große Zahlen bringen wenig, wenn ein Maßstab fehlt. Wie groß ist der deutsche Brillenmarkt also verglichen mit anderen Absatzmärkten? Hier bietet sich eine Gegenüberstellung mit „Accessoires“ an, die vielleicht weniger funktionalen Wert besitzen, jedoch ebenfalls tagtäglich viele unserer Körper aufhübschen: Die Rede ist von Schmuck und Uhren.

In Deutschland wird mehr Geld für Brillen als für Uhren und Schmuck ausgegeben

Umsatzvergleich (in Millionen Euro): Uhren und Schmuck vs. Brillen 2019

Umsatzvergleich (in Millionen Euro): Uhren und Schmuck vs. Brillen 2019

Quelle: Statista Consumer Market Outlook (Okt. 2021)

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Man möchte meinen, schöne Uhren und modischer Schmuck sind den Menschen mehr wert als das Nasenfahrrad. Klar, der Kauf einer Brille ist nur in den seltensten Fällen wirklich freiwillig – gleichzeitig besitzt aber auch fast jeder von uns eine Uhr oder das eine oder andere Schmuckstück, oftmals kostspielig in der Anschaffung. Der um fast 500 Millionen Euro höhere Umsatz im Segment der Brillen ist also durchaus beeindruckend und verdeutlicht die sehr hohe Nachfrage nach Sehhilfen

Luxusobjekt Brille – zwischen Status und Notwendigkeit

Auf der Suche nach den Gründen für die überdurchschnittlich hohen Umsatzzahlen lassen sich mehrere Auffälligkeiten auf dem deutschen Brillenmarkt ausmachen. Einige Statistiken weisen auf eine hohe Investitionsbereitschaft der Deutschen hin und bekräftigen somit das Bild der Brille als ein Statussymbol und Trendobjekt. Andere Statistiken wiederum zeigen auf, dass deutsche Brillenträger sehr wohl auf den Preis achten und die Brille in Deutschland schlichtweg mit überdurchschnittlich hohen Kosten verbunden ist.

Kosten vs. echter Preis: in Deutschland unverhältnismäßig?

Preistreiber Brillenglas – Woher kommen die hohen Kosten?
  • Laut dem ZVA Branchenbericht besitzt die Mehrheit der deutschen Brillenträger mehr als eine Brille. Waren es 2008 noch 47 Prozent mit nur einem Modell, sind es 2019 nur noch 41 Prozent.
  • Ebenfalls auffällig im Branchenbericht: Fassungen über 250 Euro stellen mit Abstand den größten Umsatzanteil dar – mit 36 Prozent macht die höchste Preisklasse des Berichts mehr als ein Drittel des gesamten Fassungsumsatzes aus.
Andererseits: Brillen in Deutschland sind überdurchschnittlich teuer
  • Brillen in Deutschland sind vergleichsweise teuer: Laut Statista kosten Brillenfassungen in Deutschland 2022 im Schnitt 124 Euro, im globalen Schnitt dagegen nur 55 Euro.
  • Laut der VuMA 2022 ist das Preisbewusstsein beim Kauf einer Brille deutlich ausgeprägter als das Markenbewusstsein: 45,7 Prozent achten 2021 beim Brillenkauf auf den Preis und nur 24,9 Prozent auf die Marke – eine Statistik, die ebenfalls gegen die Brille als Statussymbol und eine hohe Investitionsbereitschaft spricht

Preistreiber Brillenglas – Woher kommen die hohen Kosten?

Ein Blick auf die Preisentwicklung von Brillenfassungen und -gläsern in Deutschland zeigt, dass die durchschnittlichen Preise pro Einheit kontinuierlich steigen. Auch der jeweilige Service im stationären Handel ist als Preistreiber zu betrachten.

Preistreiber Brillenglas – Woher kommen die hohen Kosten?

Quelle: Statista Consumer Market Outlook (Okt. 2021)

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Des Weiteren steigen die Kosten für Brillengläser je nach Ausprägung der Fehlsichtigkeit stark an. Auch die Vorlieben des Brillenträgers spielen eine Rolle, beispielsweise Zusätze wie ein Lotuseffekt oder Blaufilter schlagen finanziell zu Buche. Die Brillengläser stellen den signifikanten Preistreiber der Brille dar.

Sehen in der Zukunft – birgt der digitale Wandel auch Chancen?

Der Report veranschaulicht, dass sich unsere Augen in einer digitalisierten Lebenswelt mit neuen und stärkeren Belastungen konfrontiert „sehen“. Unser moderner Lebensstil, geprägt durch einen Mix aus Tageslichtmangel und hoher Bildschirmzeit, erhöht noch bis zum 30. Lebensjahr das Risiko einer Kurzsichtigkeit. Gleichzeitig birgt die Digitalisierung mit ihren innovativen Technologien auch Chancen für unseren Sehsinn. Diese wollen wir genauer beleuchten.

Verbesserte Prävention von Fehlsichtigkeit

  • KI-Netzhaut-Scanner: Künstliche Intelligenz ist mittlerweile in der Lage, Auffälligkeiten bzw. Krankheiten im Auge frühzeitig zu diagnostizieren. Vorreiter in diesem Bereich ist DeepMind, ein Tochterunternehmen von Google. Wie Studienergebnisse bestätigen, kann deren Algorithmus sekundenschnell und mithilfe von dreidimensionalen Scans der Netzhaut mehr als 50 Augenkrankheiten erkennen. Die Übereinstimmung mit einer achtköpfigen Ärztekommission lag bei 94 Prozent.
  • Online-Sehtests: Online-Sehtests sind mittlerweile sehr verbreitet und sparen Zeit wie auch Geld. Defizite lassen sich von überall aus feststellen und eventuell notwendige Schritte frühzeitig einleiten.

Der neue Trend: Brillen aus dem 3D-Drucker

Brillen aus dem 3D-Drucker liegen voll im Trend. Nicht gerade überraschend – wie in so vielen Bereichen bringt die 3D-Drucktechnik ganz neue Möglichkeiten der Individualisierung mit sich. Im Fall der Brille braucht es dafür lediglich einen 3D-Scan der Kopfkontur. Anschließend lässt sich eine auf den Millimeter passgenau Brille anfertigen. Weitere Vorteile der 3D-Druck-Brillen ergeben sich aus deren Material: Polyamid ist nicht nur leichter als gängige Brillenmaterialien, sondern auch robuster.

Das Auge – unser Tor zur Welt

Fast 80 Prozent der Informationen aus unserer Umwelt nehmen wir über unsere Sehkraft auf. Ein Fakt, der einem die besondere Stellung unserer Augengesundheit wohl erst so richtig „vor Augen führt“.

An der Notwendigkeit von Sehhilfen wird sich auch so schnell nichts ändern. In Zukunft ist mit einer deutlich kurzsichtigeren Weltbevölkerung zu rechnen: Jeder zweite Mensch wird 2050 von Kurzsichtigkeit betroffen sein. Verantwortlich ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die die Ausbildung im Kinder- und Jugendalter beschleunigen. Im Fokus stehen:

  • hohe Bildschirmzeiten
  • viel „Naharbeit“ durch langen Bildungszeitraum
  • Tageslichtmangel

Damit tragen die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen der Digitalisierung eine wesentliche Mitschuld für das immer schlechter werdende Sehvermögen der Gesellschaft. Smart Devices stehen quasi noch am Anfang, dennoch sind die Bildschirmzeiten bereits enorm angestiegen. Viele Kinder verbringen mittlerweile nahezu den ganzen Tag im „Nahmodus“ – der Blick in die Ferne geht zunehmend verloren.

Zwei Expertenmeinungen fassen die alarmierende Situation passend zusammen:

Zwei Expertenmeinungen fassen die alarmierende Situation passend zusammen

Fazit: Fehlsichtigkeiten und deren Korrektur begleiten uns

Der Brillenmarkt wächst stetig. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das liegt vor allem an den immer länger werdenden Bildschirmzeiten und dem sogenannten “Nah sehen”. Dadurch verbreiten sich Fehlsichtigkeiten in der Gesellschaft immer weiter und die Nachfrage an Korrekturen steigt.

Der Brillenmarkt wächst stetig - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Grund dafür: Die wachsenden Bildschirmzeiten und das vermehrte “Nahsehen” hinterlassen deutliche Spuren. Immer mehr Menschen leiden unter Fehlsichtigkeiten, die Nachfrage nach Korrekturen steigt. Die altbewährte Brille dient vielen Deutschen dabei längst nicht nur als Sehhilfe, sondern vielmehr als modisches Accessoire oder gar Statussymbol.

Doch auch jüngere Technologien wie das Augenlasern erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder, schließlich lässt sich dank modernster Technik mit hoher Wahrscheinlichkeit und verschwindend geringem Risiko die vollständige Sehkraft zurückerlangen. Auch in Zukunft werden uns neue Technologien und Möglichkeiten zur Korrektur und Behandlung von Sehschwächen stetig begleiten. Denn eines ist sicher: Die Nachfrage wird in den kommenden Jahrzehnten nicht abnehmen.